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FC Porno Villa – Ultras Bochum 2:3 (1:1)

Bild des Benutzers trainer
Gespeichert von trainer am/um 13. Januar 2019 - 22:17

Ein Torschützenfoto, das verstörend wirken soll: Es ist eine Collage des in diesem Spiel gesichtsverstümmelten Torverhinderungs- und Bildbearbeitungs-Künstlers Marci. Das Werk ist eindeutig seiner blauen Phase zuzuordnen, von Melancholie, Welt- und Kopfschmerz geprägt, lässt er sein geschwollenes Äußeres mit seinem gebrochenen Inneren als dominante Geistergestalt mit den bewusst kleingehaltenen Torerzielkünstlern Pablo de Uebbing und Ole Saint Merkel verschmelzen. Die Aussage  des fatalistisch wirkenden Werkes hält der Künstler bewusst offen, seine dezent platziertere Textintarsie "erschwerte Aufnahmebed." beinhaltet neben persönlichen Motiven auch eine deutliche Kritik an der aktuellen Ausländer- und Migrationspolitik in der Welt. Im Gesamtbild verdeutlicht Marcis Ouevre obscure die absolut hässlichste Welt des Fußballs: Selbstzerstörung gepaart mit einem grausamen Spielresultat.  

Wie das Ergebnis verdeutlicht, war auch dieses Spiel ein verdammt knappes, am Ende gar im Schritt ganz furchtbar kneifendes Höschen. Ein Spiel, das viel Dramatik aber leider deutlich mehr Drama bot. Denn es passierte, so viel sei vorweg genommen, die bis dato wohl heftigste Verletzung eines Tapirs im Ligabetrieb. Bisher waren die Tapire in ihren nunmehr 10 Jahren Ligateilnahme im Großen und Ganzen von wirklich schlimmen Verletzungen verschont geblieben. Abgesehen von lange zurückliegenden Lowlights: 3. Tobi der Älteste: Wadenbeinbruch (2010) 2. Marcel: Schlüsselbeinbruch (2010) 1. Martinho: Nasenbein- und Augenbodenbruch (2008).

Dabei fing alles so schön an, ein breites und spitzes Rudel, eine große Anhängerschar und feinstes Fußballwetter an der Anglecastle Lane. Die Tapire legten bestimmt los und gewannen im Mittelfeld recht bald die Oberhand, kamen aber zunächst nicht zu nennenswerten Chancen. Die Ultras agierten umgekehrt, wenig Ballbesitz, aber mit dem ersten gefährlichen Angriff direkt eine Hütte machend. Eine Flanke aus dem Mittelfeld gelangte zu ihrem Linksaußen, der in der 10. Minute den Ball perfekt mitnahm und mit einem schönen Heber über Marci das 0:1 erzielte. Fünf Minuten später versuchten die Ultras sich in einem Konter, der Pass in die Tiefe geriet aber etwas zu lang, so dass Marci sich im Herauslaufen und Herbeirutschen das Bällchen schnappen konnte. Unserer zentraler Innenverteidiger Sven hatte indes den Stürmer der Ultras souverän abgelaufen und sah nun in der Rückwärtsbewegung Marci direkt flach auf sich zurutschend. Dann geschah das Fatale: In dem Moment, in dem Sven über ihn drüber springen wollte, richtete sich Marci auf, wodurch er Svens Knie mit Schwung zentral ins Gesicht bekam. Der Mannschaftsarzt, der verblüffende äußerliche Ähnlichkeiten mit dem Trainer aufwies, leitete sofort wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. Er rannte mit einer Packung Taschentücher aufs Feld. Die war bitter nötig, den Marci pullerte rot aus der Nase und hatte die Temposubstitute binnen Nanosekunden alle rot eingefärbt. Außerdem sah seine Nase etwas verbreitert aus und wies an einer Seite eine bläuchliche Färbung auf. Der Mannschaftsquacksalber gab dem Trainer ein Zeichen, dass es mit Marci an diesem Abend und vermutlich auch den folgenden nicht mehr weitergehen würde. Deshalb wurde Mirko für Marci eingewechselt, ging auf die 6er Position, von der Joscha zurück in die Innenverteidigung gedrückt wurde, der wiederum Sven nach hinten ins Tor presste. Der etwas sediert wirkende Marci nahm zunächst auf der Bank Platz und ging dann erst einmal in die Kabine. In der Zwischenzeit wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen, schleppte sich erst ein wenig dahin bis es in der 25. Minute zu einem Freistoß für die Tapire von der linken Seite kam. Mirko schnibbelte das Leder in die Gefahrenzone, wo der Ball zunächst geblockt wurde, wodurch ein Zentralgestocher entstand, aus dem der Ball zum knapp dahinter befindlichen Pablo sprang, der in dem Gemenge eine Lücke sah und scharf und flach zum nicht unverdienten 1:1 traf. Fortan passierte sicherlich noch einiges er- aber nicht zählenswertes, der Verfasser dieser Zeilen suchte indessen Marci auf und fand ihn auf der ungemütlichen Bank mit Jacke als Kopfkissen liegend in der Kabine und hobbydiagnostizierte leichte Gehirnerschütterung (da Marci den Gegner erst nach drei Versuchen und 2 Minuten erriet), Nasenbeinbruch (wegen doppelter Größe und Blaufärbung) und Zahnabsplitterungen (weil Marci sie zeigte).

Mit dem 1:1 ging es in die Pause, in der es zunächst galt, für Marci nach der Ersthilfe nun die Zweithilfe zu organisieren. Der in der ersten Halbzeit alles gegeben habende Paul erklärte sich dafür bereit, den Krankenhaustransport nach Herne zu übernehmen, wofür er erneut ein Sternchen in sein Porno-Fleißheftchen einkleben konnte. Drumherum gab es Cru (ich glaub von Moritz) und Auswechselungen.

Und die Tapire kamen flott zu Potte. Nach acht Minuten blockten sie in der eigenen Hälfte rechtsseitig einen Einwurf der Ultras ab, reichten das Leder weiter zu Mirko, der sich behände durchsetzte und präzise nach innen flankte, wo Ole den Ball ungefühlvoll ins kurze Eck zum 2:1 manifestierte. Jedoch war die Führung ein gar flüchtiger Moment, ein kurzes Führungchen, denn nur zwei Minuten später glichen die Ultras in einer Tapirstrafraumbelagerungssituation nach geblocktem Schuss im zweiten Versuch flach rechts und unhaltbar für Sven zum 2:2 aus. Die nächsten 15 Minuten waren beidseitig von guter Defensiv- und nicht brillianter Offensivarbeit geprägt. Aber dann erwischte uns ein Konter über links, der flach quer und dann direkt ins kurze Eck bugsiert wurde, kalt mit dem 2:3. Aber es waren noch 15 Minuten zu galoppieren und das taten die Tapire fürwahr, jedoch war ihnen kein Erfolg beschieden. Ole köpfte auf die Oberseite der Latte, Tim traf das Außennetz und und und. Am Ende blieb es bei der knappen 2:3 Niederlage, die sich ebenso kacke wie die letzten Misserfolgserlebnisse anfühlte. Darüber hinaus, und das war das wirklich schlimme, war die in erste Indikation des Mannschaftsquacksalbers bezüglich Marci zwar zutreffend, aber leider viel zu harmlos. Es kam immer schlimmer:

Paul hatte Marci ins Herner Krankenhaus transportiert, von wo aus er in der Nacht mit Blaulicht nach Langendreer in die Gesichtschirurgie geschippert wurde. Dort stellte man in etwa die gleiche Diagnose wie der Quacksalber fest und ihm wurde ein Zimmer für den nächsten Tag reserviert. Wo er mittags legere mit Necessaire unter der Achsel eincheckte, nochmals untersucht und ein dabei ein astreiner Mittelgesichtsbruch diagnostiziert wurde. Dieser wurde angeblich unter der Verwendung von 3 Titan-Platten am Folgetag operiert, allerdings bekam er dabei noch eine vierte eingesetzt, die auf dem Toschüfo rot hervorgehoben sind. Wenn ich Marcis genaue Auflistung richtig wiedergebe, war es ein Nasenbeintrümmerbruch, ein Kieferbruch und doppelter Jochbeinbruch, der ihn im Ranking der Porno-Fubaverletzungen auf Platz 1 brachte. Und um dem ganzen, Achtung, alter Zahnarztwitz, noch eine Krone aufzusetzen, erfuhr der Zahnarztphobiker Marci etwa drei Wochen später beim Zahnabsplitterungstermin auch noch, dass ein Backenzahn in der Mitte zerbrochen sei, der ihm kurzerhand entfernt wurde. Spitzenposition manifestiert.

Seine Verletzung war genau eine Woche minus dreißig Minuten alt, da stand er bereits wieder als Zuschauer und Supporter beim Spiel gegen die Lokomotive Ruhr am Spielfeldrand. Gut acht Wochen später erschien er das erste Mal wieder aktiv im Wiemeldrom und spielt dort seitdem chronisch wie auch in der Halle. Das Verblüffendste, was Marci mehrfach erzählte, war für mich, dass er bei der ganzen Geschichte so gut wie keine Schmerzen hatte. Was lernen wir daraus? Marci scheint wirklich schmerzfrei zu sein, friendly fire kann enormen Schaden zufügen, scheint aber nicht so weh zu tun, wenn es von einem Freund kommt.

 

Kommentare

ob als Taktikfuchs, Manager, Hofreporter und nun sogar als Mannschaftsarzt in allen Funktionen aller erste Sahne! Wo soll das nur hinführen... FCP Weltherrschaft?

Und Glückwunsch an Marci zum absolut verdienten Podiumsplatz! Ich bin schon ganz gespannt auf das Spieltagsfoto.

...das gewünschte Bild

FC Porno Villa - mehr als wie 'ne Mannschaft

unter uns, an der feder und zwischen den pfosten und im fall von marci auch in ihm drin. 

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Ich werde nicht akzeptieren, dass gesagt wird: Die Mannschaft ist ein Scheißhaufen. So einfach ist es nicht.
Logisch sind wir ein Scheißhaufen. Aber das ist nicht der einzige Punkt.